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Stahlgipfel mit Merz: Was für die deutsche Stahlbranche auf dem Spiel steht

Lesen Sie den vollständigen Artikel mit Johannes Binder, erschienen bei der FAZ, am 06. November 2025 hier.

Im Kanzleramt ging es am Donnerstag um Rezepte gegen die Stahlkrise. An der Branche hängen im Extremfall viele Milliarden Euro Wertschöpfung und Hunderttausende Stellen. Doch braucht es mehr Protektionismus?

Johannes Binder, der sich am Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) mit Industriepolitik beschäftigt, sagt hingegen: ‚Beim Thema Stahl ist die Debatte sehr diffus. Geht es nun um den Erhalt der Arbeitsplätze, um militärische Resilienz oder um die Sicherung von Lieferketten?‘ Allein wegen der Arbeitsplätze lohne es womöglich nicht, die Branche mit teuren Subventionen zu schützen – da könne es günstiger sein, die Jobverluste mit Sozialmaßnahmen abzufedern. Ein Abreißen der Lieferkette hält der IfW-Ökonom im Stahlbereich für wenig realistisch, da es sehr viele Länder gebe, die Stahl günstig anböten. ‚Die Gefahr, dass wir erpressbar würden, sehe ich kaum‘, sagt Binder. Eher fürchtet er bei der Verhängung von Zöllen um die nachgelagerten, metallverarbeitenden Industrien wie die Autobranche oder den Maschinenbau. Für sie würde der Grundstoff dann teurer. Auch auf den Industriestrompreis blickt er kritisch: Diese Subvention löse die strukturellen Probleme nicht. ‚Man muss sich fragen, können wir langfristig das Land sein, das mit billiger Energie Stahl produziert oder sehen wir unsere komparativen Vorteile eher woanders?‘“